Ein Denkmal für Brandenburgs Ehrenbürger Vicco von Bülow alias Loriot (1923-2011): der Wettbewerb ist entschieden, die Siegerin gekürt

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Vicco von Bülow besuchte seine Taufkirche St. Gotthardt (2009)

Die 23-jährige Studentin Clara Walter ist die Preisträgerin des Loriot-Ideen- und Realisierungswettbewerbs, den der Kulturverein Brandenburg an der Havel im Vorjahr ausgeschrieben hatte. In der zweiten Wettbewerbsphase setzte sich die Berlinerin gegen sechs weitere Mitbewerber durch, die zuvor aus einem Feld von 92 Bewerbungen ausgesucht worden waren.

Kulturvereinschef Frank-Walter Steinmeier lobt die Idee dem scheuen Waldmops in Brandenburg an der Havel eine neue Heimat zu geben und der Stadt eine würdige Erinnerung an ihren großen Sohn und Ehrenbürger Vicco von Bülow.

Clara Walters ausgefeiltes Ideenkonzept firmiert unter dem Namen „Der wilde Waldmops“ und an den scheuen Waldmops des Künstlers. Die Jury, zu der neben dem Kulturvereinsvorsitzenden und Außenminister Frank-Walter Steinmeier auch der Loriot-Freund Max Rabe und die Brandenburger Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann gehörten, votierten bei einer Stimmenthaltung einstimmig für das Konzept der Studentin, die sich gegen zahlreiche renommierte Künstler und Planungsbüros durchsetzte.

Vicco von Bülow wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren, jener Mann, der später als Loriot bekannt werden sollte und wahrscheinlich als beliebtester deutscher Humorist bezeichnet werden darf. Nur die ersten drei Jahre seines Lebens verbrachte er in seiner Geburtsstadt, 1985 wurde er dann privat nach Brandenburg eingeladen und schaffte es, mit Freunden aus seiner alten Heimat eine Ausstellung im Dom zu realisieren, die einen Wendepunkt in seinem Leben bedeuten sollte. Zu diesem Anlass dankte er der Stadt, "dass sie ihn aufgenommen hatte wie einen nicht verlorenen Sohn". Er kam in den Folgejahren nun regelmäßig zurück, gründete 1991 eine Stiftung und wurde 1993 zum Ehrenbürger seiner Geburtsstadt ernannt.

Im August 2011 verstorben, hinterließ Vicco von Bülow ein unvergessliches Lebenswerk als Karikaturist, Regisseur, Schauspieler, Bühnen- und Kostümbildner, Professor für Theaterkunst u.v.m.

Der Kulturverein Brandenburg an der Havel lobte erstmals für Künstler einen offenen Ideen- und Realisierungswettbewerb in zwei Bearbeitungsphasen aus, um eine würdige Erinnerung in Brandenburg an der Havel an Vicco von Bülow als namhaften Sohn der Stadt zu initiieren, die sich dauerhaft und untrennbar mit der Stadt Brandenburg und dem Verein verbindet. Das gemeinnützige Projekt sollte sowohl in der Stadt als auch darüber hinaus Anerkennung finden.

Gesucht wurde eine Idee für einen öffentlichen Raum, die identitätsstiftend sowie ansprechend für Loriot und "seine" Stadt steht. Eine Vorgabe, was genau zu entstehen habe, gab es nicht, um der Phantasie und Kreativität keine Grenzen zu setzen. Die Wahl der Medien war frei.

Er ist selten geworden in Deutschland, der scheue Waldmops, dem sein Förderer Loriot in Wort, Bild und Video schon vor vielen Jahren ein Denkmal setzte. So selten, dass die Stadt Brandenburg ihn nun unter Schutz stellen und dafür ein Informationszentrum bauen wird, in dem der scheue Waldmops als wilder Waldmops lebt. Am 18. April 2015, an diesem Tag wird die Bundesgartenschau in Brandenburg an der Havel eröffnet, wird auch das Waldmopszentrum eröffnet und ein kleines Rudel der gehörnten Waldmöpse zeitgleich der Öffentlichkeit gezeigt.

"Die wilden Waldmöpse werden ein Brandenburger Alleinstellungsmerkmal", sagt Frank-Walter Steinmeier begeistert. Und er muss es wissen. Der Deutsche Außenminister ist Vorsitzender des Brandenburger Kulturvereins und hat für den Wettbewerb Geld gesammelt. Vor drei Jahren hatte es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, eine bleibende, würdige Ehrung für ihren verstorbenen Ehrenbürger Loriot in der Stadt Brandenburg auf die Beine zu stellen.

Die Wahl des Siegerentwurfs am 20. Juni 2014 war ein hartes Stück Arbeit. Denn alle Einsender, die sich gegen 85 Mitbewerber durchgesetzt hatten, wussten auf ihre Art zu überzeugen.

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Loriot vor der sanierten Nordkapelle seiner Taufkirche (2009)

Doch das Werk mit dem Namen "Der wilde Waldmops", entwickelte sich schnell zum Favoriten, auch wenn es mehrere Stunden dauerte, bis die Entscheidung fiel. Zum Werk gehört ein Sockel ohne Denkmal und nur mit den Fußstapfen Loriots. Der Künstler ist weg, sein Werk lebt. Es lebt in dem wilden Waldmops, der sich den Humboldthain, einem Park in bester Innenstadtlage, untertan gemacht hat. Eine Gruppe von acht gehörnten Waldmöpsen, etwa 50 Zentimeter hoch und aus Bronze, ist mit Fundamenten diebstahlsicher im Humboldthain verteilt worden und von einer kleinen Brücke, dem "Waldmops-Informationszentrum", aus gut zu sehen. Am Informationszentrum erklärt eine Tafel alles, was Loriot zum Thema Waldmops hinterlassen hat.

Auszug: "Der Mops genießt heute einen zweifelhaften Ruf als ringelschwänziges Schoßtier. Das war nicht immer so. Rekonstruktionen nach jüngsten Knochenfunden beweisen, dass der Mops durch blinden Züchterehrgeiz in den letzten 500 Jahren nicht nur seine Nase völlig eingebüßt hat. Wenn wir die Entwicklung einmal zurückverfolgen, stoßen wir schon im 19. Jahrhundert auf einen Mops, dessen edler Körperbau das Herz des Tierfreundes höher schlagen lässt. Heute weiden nur noch wenige wilde Möpse in unbewohnten Waldungen Nordschwedens. Im Laufe des 17. Jahrhunderts hat man sie jedoch rücksichtslos zurückgezüchtet, da sich Vierzehnender im Schoße älterer Damen als hinderlich erwiesen hatten. In Deutschlande hat lediglich der scheue Waldmops die freiheitliche Würde seiner Vorfahren bewahrt."

Groß war die Überraschung, als die Architektin Melanie Semmer, die mit der Online-Plattform Competitionline.com den Wettbewerb organisiert und moderiert hatte, das Geheimnis lüftete, wer sich denn hinter dem Sieger verbirgt. Also Clara Walter, eine 23-Jährige aus Berlin, die Innenarchitektur in Detmold studiert und mit ihrem Konzept dutzende renommierter Künstler und Planungsbüros hinter sich ließ.

Schon kommende Woche beginnen die Arbeiten zur Umsetzung der Entwürfe. Denn bis zur Buga-Eröffnung am 18. April 2015 bleibt nicht mehr viel Zeit. 50 000 Euro stehen für die Umsetzung der Idee zur Verfügung, die der Verein in den vergangenen Jahren zusammengetragen hat.

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