Vom Werden eines Waldmopses: das Loriot-Denkmal des Brandenburger Kulturvereins nimmt rasant Gestalt an

Von Clara Walter mit Benno Rougk

Die ersten Waldmöpse haben jetzt das Licht der Welt erblickt! Seit Juni 2014 arbeite ich nun gemeinsam mit dem Bildhauer Raphael Danke in einem kleinen Atelier in Berlin-Tiergarten an der Realisierung des Loriot-Denkmals der Stadt Brandenburg an der Havel. Sie erinnern sich bestimmt: Der Kulturverein der Stadt Brandenburg hatte im Vorjahr einen Wettbewerb mit dem Ziel ausgeschrieben, Vicco von Bülow, alias Loriot, als großem Sohn der Stadt ein Denkmal zu setzen. Da lag mein Innenarchitekturstudium in Detmold in den letzten Zügen.

Eine Professorin machte mich auf den Wettbewerb aufmerksam und neben meiner Abschlussarbeit entwickelte ich dann das Konzept und den Finanzierungsplan für ein Waldmopszentrum. Als ich im Frühjahr das 1:100-Modell meines Entwurfs unverpackt ins Büro des Kulturvereins brachte, standen dort schon Berge von Plänen und Modellen in eigens für den Wettbewerb gebauten und beschrifteten Holzkisten. Das kann ja nichts werden, dachte ich damals. Es kam anders. Aus den fast hundert anonymen Einsendungen, viele von renommierten Büros und Künstlern, wählte die Jury meine Idee als Siegerentwurf. Und von einem Tag auf den anderen war mein Leben ein anderes.

der Waldmops


Ungezählte Interviews und einige Treffen mit den Leuten vom Kulturverein um den Vereinsvorsitzenden Frank Walter Steinmeier später, stehen Raphael Danke und ich nun Tag für Tag im Atelier und entwickeln uns zu Mopsexperten. Beim Modellieren der Waldmöpse hat sich schnell herausgestellt, welche typischen Merkmale des modernen Waldmopses unverzichtbar sind. Dazu gehören seine loriotsche Brezelnase sowie das Sahnehäubchen auf dem Hinterteil – also der eingekringelte Schwanz. Und natürlich wäre ein Waldmops ja kein Waldmops, ohne seine majestätischen Achtender. Kraftvoll müssen die Schaufeln der wilden Bestie aussehen, die, so hat es Loriot in seinem berühmten Sketch beschrieben, im deutschen Wald alljährlich gewaltige Schäden anrichten.

Alles beginnt mit schnöden Metallstangen, die auf die richtigen Längen zurechtgeschnitten und dann zusammengeschweißt werden. Danach wird das Gestell mit einer Art Hasendraht ummantelt, auf dem ich dann die erste dünne Schicht Keramiplast – eine lufthärtende Keramikmasse – spachteln kann. Der folgende Schritt ist der schwierigste und zeitintensivste: Nun muss die Masse in Form gebracht werden: Falten und Gesichtsausdruck, Füße und Augen, Nase und Schwanz. Nach vielen Wochen der Arbeit und intensivster Mopsanalysen waren dann Mitte Oktober die ersten vier Mopsmodelle fertig. Zwei Abgüsse pro Modell werden zu dem Waldmopsrudel gehören, das im kommenden Jahr im Humboldthain ausgewildert wird. Die vier Kreaturen gingen nach der Fertigstellung der Modelle auf große Fahrt nach Bremen. Die Gießerei Statuarius arbeitet nun mit Hochdruck daran, aus den Keramikfiguren bronzene Prachtexemplare ihrer bedrohten Art zu gießen.

Dazu wird zuerst ein Silikonabdruck der Keramikfigur angefertigt. In diesen Abdruck wird Wachs gegossen. Diese Form wird mit Schamott gekleidet und daraufhin wird durch ein Loch die flüssige Bronze in die Form gegossen. Dabei verdampft das Wachs. Nach dem Aushärten wird die Schamott-Schicht abgeschlagen und der Bronzemops erblickt das Licht der Welt. Aber noch fehlen ihm Feinheit und Eleganz. Die erhält er im nächsten Schritt: In Feinarbeit wird die Bronze in Form gebracht.

Für mich ist es sehr schön und immer wieder überraschend, wie gut meine Idee für das Loriot-Denkmal angenommen wird. Fast wöchentlich melden sich Zeitungen, Radio- und Fernsehsender und wollen über Loriots Waldmopsfiguren berichten. Die MAZ, Spiegel online, Süddeutsche Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung die FAZ, Stern, Welt, Focus (um nur einige zu nennen), haben bereits über die Waldmöpse und ihr neues Revier in Brandenburg an der Havel geschrieben. Und nicht minder begeistert bin ich von der Resonanz, die unser Waldmopszentrum auch in der Brandenburger Bürgerschaft gefunden hat. Inzwischen haben sich bereits sechs weitere Menschen gefunden, die einem Waldmops das Leben schenken wollen. Damit wächst unsere Meute, deren neue Rudelmitglieder später an der einen oder anderen Stelle in der Brandenburger Alt- und Neustadt zu entdecken sein werden, auf stolze 14 Möpse.

An der Umsetzung der neuen Modelle arbeiten wir gegenwärtig. Dazu gehören der „pinkelnde“ Waldmops, der Liegende und ein Waldmops „in Bewegung“. Ich bin wirklich gespannt, wie viele Tiere im weiteren Verlauf noch dazustoßen und die Stadt Brandenburg an der Havel dann unsicher machen werden. Wobei: Unsere Möpse sind sicher! Mit Edelstahl und Betonfundamenten werden sie hoffentlich so diebstahlsicher sein, dass Rohstoffwilderer keine Chance haben, ihnen den Garaus zu machen.

Für mich persönlich ist das Loriot-Projekt unglaublich lehrreich und ich freue mich riesig, direkt im Anschluss meines Studiums ein so spannendes Unterfangen von der Idee bis zur Fertigstellung begleiten zu dürfen und so praktische Erfahrungen sammeln zu können. Ich wüsste gern, was Loriot wohl zu seinem Denkmal sagen würde.

Noch ist viel zu tun, damit die ersten acht Waldmöpse Anfang April ausgewildert werden können. Dann wird es hinter der Johanniskirche auch eine Aussichtsplattform geben, von der man die Tiere beobachten kann, ohne sie zu stören. Auch der dritte Teil des Denkmals, ein Sockel für den Dreiecksplatz vor der Johanniskirche, auf dem nur die Fußabdrücke Loriots zu sehen sind, ist in Arbeit.

Noch bleiben uns vier Monate, bis unser Projekt zur Eröffnung der Buga eingeweiht wird. Ich bin mir sicher, dass die Brandenburger ihre Waldmöpse lieben und ihren Gästen bald aus dem Effeff deren Entwicklungsgeschichte erklären können. Zur Erinnerung ein kurzer Loriot-Exkurs: Ursprünglich war der Mops, der heute den zweifelhaften Ruf eines ringelschwänzigen Sofatiers genießt, der König des Waldes und glich dem Elch wie ein Ei dem anderen. Doch da sich Vierzehnender im Schoß älterer Damen als hinderlich erwiesen, begann der Mensch schon im 16. Jahrhundert die Natur nach seinem Gusto umzuzüchten. Der Mops wurde verzwergt, Nase und Geweih rückgezüchtet. Nur einer kleinen Population, zwar verkleinerter aber eben noch gehörnter Waldmöpse gelang die Flucht und das Überleben in den Wäldern.

In Brandenburg an der Havel werden wir künftig gut auf sie aufpassen!

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