Neun wilde Waldmöpse finden in Brandenburg eine neue Heimat: Loriotdenkmal in Brandenburg an der Havel zur Buga-Eröffnung feierlich eingeweiht

Von Ina Schidlowski

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass in 175 Tagen, wenn die Buga ihre Pforten schließt, nicht eine der zahllosen Wilma-Wels-Figuren als sympathischen Gesicht der Bundesgartenschau 2015 in Erinnerung und auf ungezählten Speicherkarten verewigt bleibt, sondern dass der Star der Schau einer von den neun wilden Waldmöpsen ist, die am Samstag Brandenburg an der Havel ausgewildert wurden. Kaum ein Fotoapparat klickte an diesem Wochenende nicht, wann immer eines dieser possierlichen Tier entdeckt wurde. Mal schnüffelt einer um die Blumenschau in der sanierten Johanniskirche herum, ein anderer hebt auch mal sein Beinchen und nur ein wissend suchender Blick des geübten Tierfreundes entdeckt den kleinen ringelschwänzigen Artgenossen am Johanniskirchplatz in der Brandenburger Altstadt und im angrenzenden Humboldthain sofort. Neun bronzene gehörnte Waldmöpse sind zur Einweihung des Denkmals ausgewildert worden. Sechs weitere werden demnächst folgen.

freilebende waldmoepse in brandenburg

Die Idee, dem großen Sohn der Stadt, Vicco von Bülow, alias Loriot, ein Denkmal zu setzen, ist nun Wirklichkeit geworden. Es sollte nicht einfach eine Büste mit Sockel sein, sondern ihm, dem großen Humoristen, feinen Beobachter und Menschenfreund gerecht werden, hatte sich der Kulturverein der Stadt Brandenburg auf die Fahnen geschrieben.

Clara Walter, eine 24-jährige Architekturstudentin hatte die passende Idee und setzte sich damit gegen die fast 100 Mitbewerber in einem bundesweiten Ideenwettbewerb durch. Den hatte im November 2013 der Kulturverein Brandenburg mit seinem Vorsitzenden Frank-Walter Steinmeier ausgelobt.

Auf Einladung des Vereins kamen in den vergangenen Jahren namhafte Künstler und Schriftsteller, wie Armin Mueller-Stahl, Martina Gedeck, Günter Grass oder Sten Nadolny nach Brandenburg. Alle verzichteten auf ihre Gage und machten so die Finanzierung des Denkmals möglich.

„Möge dies ein Platz der Erinnerung werden, aber auch der Heiterkeit und guten Laune“, sagt Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPDD) an diesem sonnigen 18. April, dem Eröffnungstag der Bundesgartenschau. Ein „wunderbares zoologisches Großereignis“ nennt er diesen Moment der Einweihung und ist sich nicht sicher, ob man wirklich Denkmal oder vielleicht nur Erinnerung sagen sollte und er dankt für die Geldspenden und die Hilfe bei der Realisierung des Projekts.

Doch bevor die junge Künstlerin Clara Walter das blaue Tuch des verwaisten Denkmalsockel lüftet, erzählt der Sinologe und Schriftsteller Tilman Spengler äußerst humorvoll von gemütlichen Treffen mit seinem Nachbarn und Freund Loriot am Starnberger See bei Pinkel und Grünkohl. Dem Rätsel um die Herkunft des Namens „Mops“ sei man dabei zwar nicht auf die Spur gekommen.

Dafür berichtet Spengler von einem Kunstprojekt zu Ehren Richard Wagners, für das etwa 800 Neufundländern die Stadt Bayreuth bevölkerten. „Das passt zu Wagners Größenwahn“, habe ein schmunzelnder Loriot die damalige Aktion kommentiert, und dass es ein paar Möpse auf einem Hügel wohl auch getan hätten.

Nun sind sie da, die Möpse, nicht in Bayreuth sondern in Brandenburg und zu Ehren Vicco von Bülows.

„Er war der Beobachter der Gesellschaft“, sagt Clara Walter und dass sie deshalb nicht wolle, dass man ihn beobachte, zu ihm als Person in Form einer Büste hinaufschaut. Sie enthüllt deshalb nur einen Sockel. Zu sehen sind zwei Fußabdrücke. Soll heißen: Der Künstler ist nicht da, aber seine Idee lebt. Sie lebt in Form der scheuen Waldmöpse, in Form dieses Sockels und des Waldmopsinformationszentrums. Letzteres ist eine hölzerne Plattform mit Info-Tafel. Zu lesen ist die Kurzfassung des Loriot-Sketches. Zugleich lässt sich von hier Ausschau nach den wilden Schöpfungen des Künstlers halten. Hätte Loriot das Brandenburger Denkmal gefallen?

Spengler ist sich sicher. „Er war ein Preuße, wie ihn der liebe Gott erschaffen hat“. Auch die „optimale Mopsverteilungskoeffizienz“ fände sicher sein Wohlwollen, sagt er augenzwinkernd.