Günter Grass in Mötzow 

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  • 14.
  • Juli 2015
  • 19:30 Uhr
  • "Theaterklause" im CCC
  • Grabenstraße 14 in 14776 Brandenburg an der Havel
  • Eintritt frei
    03381 511220

"Rückkehr der Wölfe" - Lesung mit Eckhardt Fuhr

Er ist wieder da! Waren es vor wenigen Jahren nur sporadische Meldungen, wonach im polnischen Grenzgebiet und in der Lausitz wieder Wölfe gesehen worden waren, hat der Wolf sich inzwischen in den Medien und an den Stammtischen längst einen festen Platz erobert.


Ist der Wolf eine Gefahr für Brandenburg? Oder sind es nur die Jäger, die dem Konkurrenten im Kampf um den zarten Rehrücken ans Fell wollen? Der Brandenburger Kulturverein, der sich sowohl der Kultur, als auch des politischen Diskurses und aktueller Themen der Zeit annimmt, will dem Thema auf den Grund gehen. Und hat sich daher einen Fachmann zum Thema „Rückkehr der Wölfe“ eingeladen. Am Dienstag, 14. Juli, um 19.30 Uhr veranstaltet der Kulturverein in der Theaterklause eine Lesung und eine anschließende Diskussion mit Eckhardt Fuhr. Der bekannte „Welt“-Journalist Eckhard Fuhr hat sich mit seinem 2014 erschienenen Buch „Rückkehr der Wölfe“ an ein ebenso brisantes, wie spannendes Thema gewagt.

Er hat sich mit Mythen beschäftigt und Wahrheiten gesucht: Er beleuchtet die Konflikte zwischen Wolfsschützern, Jägern und Landwirten. Er geht Gerüchten nach, wonach Wölfe ausgesetzt wurden; die nach der Wende aus verlassenen russischen Kasernen entkommen sind. Fuhr ist ein ebenso brillanter Schreiber wie Erzähler. Er schaut weit in der Zeit zurück und besucht die Orte, wo Ende des 19. Jahrhunderts die letzten Wölfe erlegt wurden und geht ebenso in die Lausitz und auf andere Truppenübungsplätze, wo sich vor gut einem Jahrzehnt wieder kleine Wolfsrudel bildeten.

Die schon sprichwörtliche Feindschaft zwischen Wölfen und Schäfern wird ebenso zum Thema gemacht wie die Skepsis der Bauern, die manchen Wolfsschützer schon deshalb argwöhnisch beäugen, weil sie vermuten, jeder neue Wolf sichere nur deren Arbeitsplätze und stürze die Bauern ins Elend. Eckhard Fuhr hinterfragt, wie Schäfer in Ostdeutschland sich gegen den Wolf behaupten. Eine Strategie: Es sind nun nicht mehr die braven, fixen Hütehunden, die die Herde zusammenhalten, sondern dominante Herdenschutzhunde, die das ihnen anvertraute Gut verteidigen. Eckhard Fuhr ist ein begeisterter Jäger. Doch anders als viele von ihnen begreift er den Wolf nicht als auszurottende Plage. Auch wenn er die Gefahren nicht außer Acht lässt und darauf verweist, dass in Indien zwischen 1980 und 2000 fast dreihundert Kinder von Wölfen getötet worden sein sollen, überwiegen doch Sympathie und Wohlwollen.

"Wölfe sind große Lehrmeister", ist bei Fuhr zu lesen. "Sie erschüttern eingeschliffene Denkmuster und machen den Kopf frei." Man werde sich an den Wolf gewöhnen müssen, denn dieser brauche keine Wildnis, sondern kehre als anpassungsfähiger Kulturfolger zurück.

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