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  • 29.
  • April 2016
  • 19:30 Uhr
Hape Kerkeling in der Johanniskirche

Lesung in der Johanniskirche

Hape Kerkeling kam, las und hatte die Lacher auf seiner Seite. Der beliebte Entertainer, Schriftsteller und Kabarettist begeisterte auf Einladung des Brandenburger Kulturvereins 300 Gäste in der ausverkauften Johanniskirche, die seit hundert Jahren keine Kultur erlebt hat. Mit dabei hatte er sein neues Buch „Der Junge muss an die frische Luft.“


Hape Kerkeling begeistert die Brandenburger

Von Jürgen Lauterbach

Das Publikum darf Hape Kerkeling alles fragen. Nach seinem Beauty-Geheimnis zum Beispiel, nach Horst Schlämmer oder nach Königin Beatrix von den Niederlanden. Der Entertainer, Schriftsteller und Kabarettist ist zu allem bereit und entschlossen am Freitagabend vor 300 Gästen in der ausverkauften Johanniskirche.

„Der Frank“ begrüßte ihn, also sein Freund Außenminister Frank Walter Steinmeier, der es mit dem Brandenburger Kulturverein geschafft hatte, den gefragten Künstler in das Kirchenschiff zu locken, das seit hundert Jahren keine Kultur erlebt hat.

Frank Walter Steinmeier begrüßt die Gäste

Schneller als man mitschreiben kann, gewinnt Hape Kerkeling die Sympathien des Publikums und zieht er die Lacher auf seine Seite. Hier spult niemand eine Lesung herunter, der Künstler sucht den Kontakt zu seinen Fans, ermuntert sie zu fragen und verwandelt jede Frage mit traumwandlerischer Sicherheit zu einer gekonnten Antwort.

Ohne Koketterie spielt er mit seiner unverkennbare Gewichtszunahme. Die Nikotinabhängigkeit habe er sich mit Akupunktur abgewöhnt. Ersatzweise esse er nun reichlich Süßes. Kerkelings Fazit: „Als Raucher habe ich besser Luft bekommen.“

Der Meister der Verwandlung hat schon in seiner frühen Kindheit Maßstäbe gesetzt im Verkleiden. Vom Karneval 1971 in Recklinghausen handelt die erste vorgelesene Geschichte aus seinem neuen Buch „Der Junge muss an die frische Luft“. Hans-Peter war knapp sieben und verblüffte seine mit dem stolzen Wunsch, diesmal als Prinzessin zu gehen. Die Verkleidung gelang so echt, dass nicht einmal die Nachbarin bemerkte, wer dieses hübsche Mädchen ist.

Wie er auf seine Figuren kommen, auf Horst Schlämmer, Evje van Dampen oder Uschi Blum, möchte ein Zuhörer wissen. „Der Horst wollte aus mir raus“, antwortet Hape Kerkeling im Original-Schlämmer-Tonfall. „Solche Rollen sind Wochenendausflüge von meinem Selbst“, fügt er etwas ernsthafter hinzu.

Der Entertainer liebt die Verstellung, beobachtet skurrile Situationen, imitiert Stimmen und entwickelt Charaktere. Doch geht er dabei nie in der Figur auf, wie er versichert. Das sei Arbeit, die Spaß macht, aber es bleibe eine Rolle.

Hape Kerkeling hatte Journalisten und Fans irritiert mit seiner Aussage, dass er sich in seinen Sendungen nie richtig wohl gefühlt habe. Der Showstar erzählt seinem Brandenburger Publikum, dass ihm die Sendungen schon Spaß gemacht hätten, aber mit acht Scheinwerfern im Gesicht und ohne Blickkontakt zum Publikum sei das kein Wohlfühlen. So wenig, wie wenn Steinmeier dienstlich mit Putin spreche, mutmaßte der Entertainer.

Blick in die Johanniskirche

Hape Kerkeling erzählte den Brandenburgern, dass Elke Heidenreich alias Else Stratmann ein großes Vorbild für ihn, Loriot jedoch besonders prägend gewesen sei. Er versicherte, dass er die Verfilmung seines Buches „Ich bin dann mal weg“ nach hartem Kampf mit dem Drehbuch nun sehr gut finde und alles, was dazu fantasiert wurde, stimme. Er erzählte, dass ein bekannter Journalist ihm unter Berufung auf die Prinzessin von Liechtenstein erzählt habe, Königin Beatrix schätze Kerkelings Beatrix-Parodie, weil sie gute Arbeit Liebe und dies gute Arbeit sei.

Was Hape Kerkeling seinem Brandenburger Publikum nicht verriet, war das Geheimnis seiner Schönheit. Allerdings hatte auch niemand danach gefragt. Dafür signiert der Künstler am Ende jede Menge Bücher.

Blick in die Johanniskirche

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